Baltikum - 13.05. - 08.06.2026

Tag 22 (Tallinn-Narva, ca. 310 km):

Ich habe heute zwar "nur" 310 km vor mir, aber viele Punkte, die ich unterwegs
ansteuern möchte. Zuerst kommt der "Jägala" Wasserfall, dann eine Steilküste,
die leider kaum zu sehen ist, anschließend den verlassenen U-Boot Hafen "Hara
Allveelaevade Sadamas" und das schmucke kleine Städtchen Altja, das direkt
an der Küste liegt. Beim Herrenhaus "Palmse Manor" wird ebenfalls ein kurzer
Stop gemacht, der Mini-Wasserfall "Valaste" ist wenig eindrucksvoll, obwohl
er über zahlreiche Stufen hart erkämpft werden will. Zuletzt kommt das arme
Dorf Viivikonna dran, das einen wahrlich traurigen Anblick bietet: Viele Arbeits-
plätze hingen von der Schieferölindustrie ab, als das ab Mitte der 1970er langsam
nachließ, verwahrlosten viele Häuser, heute ist manches abgerissen, der Schutt
liegt noch herum, einige andere Häuser bzw. Ruinen trotzen noch der Schwerkraft.
Spät erreiche ich Narva, mein Zimmer ist völlig in Ordnung, nur die zahlreichen
Hausregeln" nerven etwas. Ich muß schnell duschen, ich habe heute gut geschwitzt,
die Klamotten sind auch fällig. Narva ist wahrlich keine Touristenhochburg, es
gibt nicht sehr viel zu sehen, aber das "Highlight" für mich ist ohnehin der Blick
hinüber nach Russland. Erstaunt stelle ich fest, das auf der Verbindungsbrücke
relativ viel Fußgängerverkehr ist - vermutlich Pendler. Ein Hotel mit Restaurant
erbarmt sich meiner, anschließend lockt ein Irish Pub - Oh ja, hier gibt‘s einen!
Die Verständigung klappt, zumindest die jüngeren Leute sprechen ein Basic
Englisch. Ansonsten verstehe ich hier kein Wort: die Alltagssprache ist Russisch
- nicht, das ich bei Estnisch mehr verstanden hätte, aber das hier ist noch mal
eine andere Hausnummer. 00:00 - man wird rausgeschmissen. Eine der vormals
ziemlich lauten Damen fragt mich, warum ich lachen würde, weil ihre Freundin aus
der Herrentoilette (!) nicht mehr rauskommt - Ich versuche es ihr zu erklären, das
klappt aber nicht - humorlos...
  

 
Jägala Wasserfall. Hätte ich auch
gerne probiert...
Am ehemaligen
U-Boot Hafen...
...ist die Kulisse... ...ziemlich spektakulär. Fotomotive...
...und Ideen zur
Umsetzung
sind kein Problem.
Palmse Manor. Altja - ein schmuckes...
...Kleinod mit
Hobbit Häusern? ;-)
Der kleine Juga Wasserfall... ...will erobert werden.
Viivikonna - ehemalige... Bergarbeitersiedlung. Narva: Ist die Besitzerin
der Sandalen von
der "Gegenseite" entführt
worden? ;-)
Ziemlich häßlicher Bau... ...vs. schmuckes Rathaus. Die Promenade entlang
des Flusses Narva ist
durchaus ansehnlich.
Ivangorod Festungsbau. Ein echter Irish Pub - wer
hätte das gedacht.
Ich mag bunte Leuchtreklamen!

Tag 23 (Narva-Tallinn, ca. 365 km):

Ziemlich warm am frühen Morgen, ein Supermarkt hat sogar eine Brezel, aber
Milch nur als 1-Liter Gebinde, da weichen wir doch besser auf Apfelsaft aus.
Spät komme ich weg, das liegt daran, dass ich nochmal zum Supermarkt
dackeln muss, da die Klinge meines Rasierers gebrochen ist. Der Ersatz ist
etwas klobig, dafür mit 3 Euro inkl. 4 Klingen ziemlich günstig. Das Kloster
Kuremäe sehe ich mir nur kurz von außen an. Der riesige See Peipus ist von
der Straße aus fast nicht sichtbar, ich muß hundert Meter durch den Wald
laufen, um ein paar Fotos zu bekommen. Die BMW ist indes übersät mit
Insektenleichen, das darf nicht so bleiben, die nächste Tanke hat eine Wasch-
gelegenheit. Das Automuseum in Järva-Jaani ist eigentlich keines, eher sowas
wie eine Altfahrzeugsammlung auf einer großen Wiese. Sehr skurril: Sogar
hier auf dem Dorf ist alles digital, es ist keiner da, aber eine Drehtür mit einem
Kartenleser. Es finden sich alte Landmaschinen, LKW, Busse, 2 Straßen-
bahnen, militärisches Gerät, alte Feuerwehren, PKW und Motorräder, das
meiste aus russischer Produktion in unterschiedlichen Verwesungszuständen.
Ich biege gemäß Route nach Süden ab, bis der Abzweig zur Schnellstrasse nach
Tallinn  kommt, aber da wird gearbeitet, die Auffahrt ist gesperrt- Die Ausschilderung
führt mich nach ein paar Kilometern auf eine Schotterpiste! Also umdrehen und
nochmal probieren, diesmal klappt‘s, hat mich aber fast eine 3/4 Stunde gekostet.
Meine Unterkunft liegt nur wenige hundert Meter von meiner letzten entfernt.
Ich dusche gleich, da ich durchgeschwitzt bin und morgen früh los muß, um
meine Fähre nach Helsinki zu erwischen, Frühstück hole ich mir auf der Fähre.
Im Irish Pub spielt eine ganz passable Band alte "Madness-" und andere Hits.
Ich sehe mir noch ein Fußballspiel im Fernsehen an, dann geht‘s zurück zur
Unterkunft.

 

Sehr martialisch... Peipus See. Kloster Kuremäe.
Ein bemerkenswerter
Friedhof am Kloster.
Sogar hier: Alles digital! Alte Zastava (Fiat
Lizenznachbau).
Ob alte LKW... ...Kettenfahrzeuge... ...Treibstofftanker mit Allrad...
...Limousinen... ... Motorräder und Roller... ...verweste Fahrersitze...
...ausgemusterte
Straßenbahnen...
...oder amerikanische
Embleme, hier findet sich
fast Alles!
Im Irish Pub in Tallinn
ist wieder Live-Musik.

Tag 24 (Tallinn-Porvoo, ca. 150 km, Fähre):

Um 05:00 bin ich schon wach - viel zu früh. Um 07:30 passt‘s besser, ich rödele
alles zusammen und fahre los. Das befürchtete morgendliche Verkehrschaos in Tallinn
bleibt aus und so bin ich viel zu früh am Terminal. Macht nix, besser zu früh... An Bord
brauche ich endlich was zwischen die Zähne: ein lasches und geschmackloses Käse-
brötchen und ein ordentlicher Kakao machen zusammen 8,20... In einem Gang mache
ich für eine Stunde die Augen zu. Das Wetter zieht sich zu, aber noch ist‘s trocken.
In Helsinki halte ich kurz an und mache ein paar Fotos, zudem ändere ich die Route
nach Porvoo ab, sonst wäre ich zu früh dran. Ich habe eine komplette Wohnung zur
Verfügung, ziemlich geräumig. Auf in die Stadt! Eine gewöhnliche Kleinstadt könnte
man meinen, aber die Altstadt vermittelt mit seinen Kopfsteinpflasterstraßen und den
hübschen Holzhäusern einen heimeligen Charakter. Zum Abendbrot gibt es eine Pizza
- mit Rentierfleisch! Hatte ich auch noch nie, schmeckt "Anders". Es gibt einen Irish
Pub, dort lerne ich einen Finnen kennen, der mit einem Segelboot (!) unterwegs ist
und unterhalte mich angeregt mit ihm. Um 02:00 schmeißt man uns raus, nur ein Klub
hat noch auf. Man verlangt 7 Euro Eintritt (!). Als ich ein Foto machen will, weist mich
eine Frau darauf hin, daß man das ohne Genehmigung nicht dürfe - das weiß ich und
weise meinerseits drauf hin, daß ich kein Profi bin und die Bilder nirgendwo veröffentlicht
werden, aber sie stört sich daran, ich packe die Kamera weg. Aber sie macht Fotos
von mir - was soll ich davon halten? Ich verlasse den Klub nach meinem Bier gleich
wieder, das kam mich teuer zu stehen. 50 Meter neben dem Klub gibt‘s such noch
ein Gerangel auf dem Bürgersteig, ich nehme Reißaus. Erst um 03:25 bin ich zurück,
wobei mich die fast taghelle Nacht echt irritiert...
Mit schönem Gruß
nach Olpe!
Ziemlich dicker Pott. Trauriges Frühstüück...
Im Hafen von Helsinki. Blick auf die orthodoxe Kirche. Fahren die Busse hier
eigentlich regelmässig?
Porvoo - die Holzhäuser gibt
es auch als "Skscraper"...
Ein Pizzaautomat! Futuristische Fußgängerbrücke.
Hübsch hier am Fluß
Porvoonjoki
Ein Restaurantschiff. Sehr reizvolle Altstadt!
Rathausplatz. Blick von der Fußgängerbrücke. Alte Salzspeicher.
Schönes Stilleben... Blick auf's Rathaus. Die ehemaligen Salzspeicher
aus der anderen Richttung.
Und wieder gefunden:
Ein Irish Pub!
Dekorativ beleuchtete
Altstadt.
Und auch am Fluß
nett illuminiert.


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TIPP:
Narva ist touristisch eher langweilig, aber die nette Uferpromenade
    mit Blick auf die russische Seite sind nicht uninteressant.
-  In Narva liegt der Anteil der Bevölkerung, die nativ Russisch spricht,
    bei 97 %.
-  Wem Helsinki zu teuer ist oder mal was Anderes sehen möchte, dem kann
    ich Porvoo nur ans Herz legen: Als zweitälteste Stadt Finnlands und der
    Weltkulturerbe-Altstadt kann man sich einiges ansehen.

Letztes Update: 26.06.2026