Baltikum - 13.05. - 08.06.2026

Tag 19 (Saaremaa-Tallinn, ca. 310 km):

Der Zeitplan passt heute morgen, das Wetter ist diesig, soll aber trocken bleiben.
Diesmal habe ich mehr Glück als bei der Anreise: Am Fährterminal wird das
Kennzeichen der BMW sofort erkannt, die Schranke öffnet sich und ich darf
als letztes Fahrzeug mit auf eine frühere Fähre. Heute geht‘s nach Tallinn, ich
bin gespannt. Die Rummu Quarry kann ich leider nicht mitnehmen, da ich das
Motorrad draußen stehen lassen und zu Fuß das große Areal erkunden müsste
- das kann ich mit Rücksicht auf mein Gepäck nicht machen. Die kleine Kirche
von Risti dagegen nehme ich mit, ebenso den Leuchtturm von Paldiski - wobei
die Stadt einen traurigen Eindruck vermittelt: eine typische Hafenstadt, trist, mit
vielen verwitterten Plattenbauten. Der kleine Keila-Juga Wasserfall reizt mich,
die Drohne noch mal auszupacken, ein Flugverbot gibt‘s dort nicht, also los! In
Tallinn komme ich gut durch, meine Unterkunft finde ich auch schnell, aber wie
kommt man rein? E-Mails checken, dort finde ich eine Nachricht vom Nachmittag,
das ich mir den Schlüssel von einer Packstation (!) holen soll, die gut einen
Kilometer (!!) entfernt ist. Also wieder aufsitzen und die Adresse suchen. Dort
stehen aber 2 Stationen, von denen keine den übermittelten Code akzeptiert.
Ich schreibe dem Besitzer eine Nachricht und während ich auf die Antwort warte,
spaziere ich etwas herum, um die Ecke sind eine Tanke und ein Supermarkt - und
- noch eine Packstation! Die akzeptiert den Code, ein Schlüsselbund landet in
meiner Hand. Wieder zurück, kann ich endlich einchecken. Ich brauche was für‘s
Frühstück, der nächste kleine Supermarkt ist satte 25 Minuten entfernt, in der
Zwischenzeit kann die Waschmaschine meine Klamotten reinigen. Der Supermarkt
entpuppt sich als ein kleiner Container mit Selbstbedienung - gute Idee, wenn
alles schon zu hat. Der hat aber wenig Auswahl, erst weitere 750 Meter weiter
gibt‘s einen großen Supermarkt. Der hat sogar einen japanischen Snack, von
dem ich zwar gehört habe, ihn aber noch nie testen konnte - den nehme ich auch
mit. Mittlerweile ist‘s schon recht spät, soll ich noch in die City? Ich sichte einen
Irish Pub mit Gastro, da kann ich nicht widerstehen... :-) Doch kurz davor ist
noch ein Souvenirladen offen, der ein faszinierend farbenfrohes T-Shirt für mich
hat. Ein klassischer Pie landet auf meinem Tisch, dazu ein Guinness und ein
Whiskey - Herz, was willst du mehr? Livemusik vielleicht? Bitte sehr, gibt‘s
heute Abend offenbar auch noch! Die letzten Fotos schieße ich um 02:15,
diese Zeilen schreibe ich um 02:42 - ich glaube, Tallinn wird mir gefallen...

 

 
Malerische kleine Kapelle. Kirche bei Riski. Leuchtturm von Paldiski.
Eine malerische Steilküste. Windsbraut? Keila-Juga Wasserfall.
Nicht groß, aber
durchaus fotogen.
In den baltischen Staaten
sieht man das Schild
des Öfteren.
Tallinn - eine ruhige Straße.
Selten anzutreffen:
Ein Moskwitsch.
Ein Mini-Supermarkt ohne
Personal - noch nie gesehen.
Japanische Snacks!
Die Altstadt von
Tallinn - einladend.
Wunderschöne Anblicke. Links "mein" Irish Pub".
Ein Steak und
Ale Pie - Hmmhh...
Und sogar Livemusik! Der Rathausplatz.

Tag 20 (Tallinn-Stadtbesichtigung, zu Fuß):

Es ist schon wieder bedeckt, soll aber trocken bleiben. Relativ spät komme ich in
die Puschen - kein Wunder... Ich besichtige diverse Kirchen, statte 2 Aussichts-
punkten einen Besuch ab und besuche (auch hier) die "KGB" Zellen - bedrückend,
was Menschen anderen Menschen antun können. Die Altstadt von Tallinn ist wirklich
eine Augenweide, viele Straßen geben mit ihren alten Häusern ein stimmiges Bild ab,
das grobe Kopfsteinpflaster gibt das seinige dazu. Der renovierte und auf Hochglanz
polierte "Rotermann" ehemalige Industriekomplex wurde sehr erfolgreich in das Stadt-
bild integriert und wiederbelebt. Es macht Spaß, das Alles zu erkunden, kreuz und
quer zieht es mich durch die Gassen und Straßen, bis schon wieder ein T-Shirt seinen
Weg in meine Hände findet - mir gefiel einfach die Farbkombination. Der "Linnahall"
Komplex - ein ehemaliges sowjetisches Vorzeigeprojekt - ist heute fast verfallen,
bietet aber einen sehenswerten Anblick. Ich möchte erstmal zurück zur Unterkunft,
nach 10 Minuten fällt mir siedendheiß auf, dass mein T-Shirt aus der rechten hinteren
Hosentasche entfleucht ist - Verdammt! Wieder zurück zur Linnahall, und tatsächlich
liegt mein verpacktes Shirt noch da! Uff... OK, jetzt aber endlich zurück, der Akku
des Navis ist fast leer - wie auch mein körpereigener… Beide Akkus werden geladen,
ich mache Datensicherung, dann lockt mich der Irish Pub wieder in die Altstadt, es
warten ein "beer-battered Steak and Ale Pie" sowie Bier und Whiskey auf mich.
Es werden abwechselnd 2 Fußballspiele auf den diversen Fernsehern gezeigt.

 

Tolle Ausblicke auf Alt-... ...und Neustadt. Wirklich bildhübsch.
Im Dom sind manche aus-
ländische Einflüsse sichtbar.
Aufwändige Holzarbeiten... ...und kunstvolle Architektur.
     
Knapp geparkt - oder stützt
das Auto den Baum?
Die orthodoxen Kirchen... ...gefallen mir sehr.
Das ist mal 'ne Tür! Freedom Square. War mir nicht bekannt, dass
die Dame zu sowas neigte...
Wochen- und Blumenmarkt. Nass geworden? Auch solche Kneipen
finden sich.
"Rotermanni" Viertel. Industriearchitektur... ...in Szene gesetzt.
KGB Museum: Jede Akte
ein Schicksal.
Bestrafungsraum. Typischer Verhörstuhl.
Noch ein schönes Portal. Altstadt - links ein Gildehaus. Noch ein schottischer Pub!
Was das wohl für
ein Schiff war?
"Linnahall" - Sowjetischer
Veranstaltungskomplex.
Reichlich verwittert.
So passt es besser. ...viel besser!

Tag 21 (Tallinn-Stadtbesichtigung, zu Fuß):

Das Wetter sieht ordentlich aus, ich laufe zuerst zum Eesti Meremuuseum - ziemlich
beeindruckende Architektur, das Highlight ist zweifelsohne ein begehbares altes
U-Boot. Ansehen würde ich mir auch noch gerne den Kadrioru Park und das
Kadrioru Kunstimuuseum, aber das ist zu Fuß nicht zu machen. Also nehme ich
den Bus, was ziemlich dauert, da eine Baustelle den Verkehr stark behindert. Aber
schließlich komme ich an, das Kunstmuseum ist recht übersichtlich, aber die Räum-
lichkeiten, der repräsentative Bau und der Park nebst japanischem Garten sind die
Mühe wert. Via S-Bahn geht es zurück und bald darauf wieder in die Altstadt.
Diesmal suche ich mir ein Lokal direkt auf dem Raekoja Platz aus - dort zahlt man
aufgrund der Aussicht natürlich Zuschlag, wie ein schneller Vergleich der auffällig
ähnlichen Preistafeln zeigt. Heute werde ich mal eine andere Lokation für das
Abendbier ausprobieren: einen schottischen Pub! Ich unterhalte mich nett mit 2
Australiern, einem Engländer, einem Georgier und 2 Franzosen - der Pub ist
international! Als ich nach einer längeren Unterhaltung aus dem Raucherraum
zurückkomme, sind meine Sachen weg! Zum Glück hat das Personal sie nur in
Sicherheit gebracht - Uff!
 
Morgens: Erstmal 'ne
Platte hören?
Passend: Das nennt sich
"Port Noblessner".
Alt und neu vereint.
Im Eesti Meremuuseum. Die Architektur des
Gebäudes ist faszinierend.
Sehen wir uns das U-Boot
von Innen an.
Torpedo voraus! Hier muß ziemlich knapp
"eingeparkt" werden.
Oje, wer soll das bedienen?
Auch die Kombüse
hat wenig Platz.
Präzise Mechanik. So sah das Gebäude
2010 aus.
Kadrioru Kunstimuuseum Beeindruckende Architektur... ...und grießgrämige
Herren auf Bildern...
...nebst Skulpturen gibt
es hier zu sehen.
Rückseite mit Parkanlage. Hier herrscht strenge
Geometrie vor...
...ganz im Gegensatz zum Japanischen Garten. Welcher Pub ist das wohl?


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TIPP:
Tallinn ist eine faszinierende Stadt, in der sich Altes und Neues vermischen.
    Bei dem facettenreichen Angebot findet sich für jeden Besucher etwas.
-  Um Tallinn besser kennen zu lernen, sollte man mindestens 2 Tage einplanen!
    Und diese besser nicht in der Touristen-Hochsaison und/oder an
    einem Wochenende.

Letztes Update: 26.06.2026