Baltikum - 13.05. - 08.06.2026

Tag 25 (Porvoo-Helsinki-Fähre Travemünde, ca. 90 km):

Es gießt wie aus Eimern, trotz Anorak werde ich ganz schön naß, als ich mir
im 500 m entfernten Supermarkt das Frühstück organisiere. Ich brauche fast
30 Minuten, um das Mopped zu beladen, da immer wieder ein kräftiger
Schauer runtergeht. Ich entscheide mich - auch aufgrund des Wetters -
Helsinki nicht nochmal anzufahren, sondern direkt das Fährterminal anzusteuern.
Fast 2 Stunden Warterei, bis man endlich auf Deck fahren kann, wenige Minuten
später kübelt es heftig. Meine Kabine ist recht geräumig, das ist ein klarer Vorteil.
Gegen Abend wird das Bordrestaurant angesteuert, da ich nicht vorgebucht habe,
sind satte 49 Euro (!) für das Buffet fällig. Dafür bekomme ich ein paar ungesalzene,
halbwarme Fritten, ein Hackfleischbällchen, etwas Gemüse und ein Stück Mini-
Pizza. Heftige Preise, dürftige Gegenleistung. Mit einem Delmenhorster unterhalte ich
mich nett, später kamen noch zwei ebenfalls nette junge Finnen dazu, die mit einem
ziemlich fetten Benz Cabrio nach Berlin unterwegs sind - so viel Bier wie an diesem
Abend habe ich schon lange nicht mehr getrunken... Zum Ausgleich lasse ich, kurz
bevor die Bar schließt, eine Runde Dalwhinnie Whiskey springen.

 

 
Mangels 2. Passagier
habe ich ordentlich
Platz in der Kabine.
Chaos auf dem Autodeck. Es gießt in Strömen, als die
Fähre ablegt.

Tag 26 (Helsinki-Travemünde-Lübeck, ca. 1250 km, nur Fähre):

Zum Frühstück gibt‘s eine Brezel und einen Karameldrink, der Rest des Tages
vergeht mit Gammeln, Dösen und Lesen. Viel mehr gibt es bis zum Anlegen
am Fährterminal in Travemünde am Abend nicht zu berichten. Obwohl bereits
alle in ihren Autos sitzen, lässt die Crew der Fähre uns noch 25 Minuten warten,
bis wir von Bord fahren können und so ist es schon nach 22:00, bis ich am Hotel
bin. Die Rezeptionistin hat extra auf mich gewartet - nett! Zu essen gibt es nur in
einem Schnellrestaurant noch was (diesmal nicht das mit den goldenen Bögen...),
aber das Menü am Terminal macht mich wahnsinnig, es fügt wahllos Sachen hinzu
- 2 Portionen Fritten statt einer und eine Riesen- Cola, die lasse ich aber auf der
Theke stehen. Wo kriege ich noch was zu trinken? Nur eine kleine Kneipe am
Bahnhof hat noch auf, eine halbe Stunde Fußweg sind das. Ein uriges kleines Teil
(sogar Raucherclub!), in dem 2 Gäste sich dermaßen die Kante gegeben haben,
das 2 Taxifahrer ablehnen, die zu befördern, erst der 3. spielt mit. Ich bin zum
Glück noch ziemlich nüchtern und bekomme daher problemlos eine Fahrgelegenheit,
ich habe nämlich keine Lust auf weitere 30 Minuten zu Fuß bei recht kühlem Wetter.
Was ich angesichts der späten Stunde aber nicht mehr schaffe ist, einige Punkte
aus meinem Navi zwecks Fotos anzusteuern - Schade! Vor dem Hotel wird noch
mein letztes lettisches Dosenbier geköpft und der Urlaub Revue passieren lassen.

 

Das Wetter ist mal
so und mal so...
Die Perspektive zählt... ...wie man erkennt.
Leider habe ich mein
Schweißgerät nicht dabei...
Das Wetter bessert
sich sichtbar.
Angekommmen - Travemünde.
     
Der Hafen wartet. Unser Schwesterschiff. Ein einziges (und auch noch)
 unscharfes Foto von Lübeck.

Tag 27 (Lübeck-Bonn, ca. 510 km):

Aus dem Supermarkt ein Frühstückchen, dann wird‘s Zeit für die letzten 520 km.
Immerhin: die Wettervorhersage sieht ganz gut aus. Wieder streikt mein Helmvisier,
diesmal aber richtig - ich krieg‘s nicht mehr in Gang. An einer Tankstelle hole ich
mir ein Multitool und fummele daran herum, mal sehen, ob das bis nach Hause hält.
Es hält, wenngleich ich das Visier nicht mehr richtig schließen kann, meine Augen
jucken und tränen. Nach der Ankunft wird abgeladen und das Mopped in der
Garage geparkt - 2 Stunden nach meiner Ankunft regnet es...
Ich kann kaum glauben, das 3 1/2 Wochen Urlaub schon herum sind, das ging
absolut Ratz-Fatz...

Fazit:

Ich habe nicht ausgerechnet, wieviel mich der Urlaub gekostet hat, aber es
war auf jeden Fall günstiger als in manch anderen Ländern - die Unterkünfte
sind meist - abgesehen von größeren Städten wie Riga oder Tallinn - deutlich
preiswerter, auch die Dinge des täglichen Bedarfs und die Mahlzeiten.
Treibstoff war in meinem Urlaubszeitraum minimal günstiger als in DE (1,75-
1,80 Euro für E10). Eintrittspreise für Museen, Kirchen etc.sind etwa auf gleichem
Niveau wie hier. Die Landschaften sind nicht so spektakulär wie etwa in Italien,
Kroatien, Portugal oder Schottland, die Städte machen aus meiner Sicht den
Reiz aus, ob klein oder groß. Kulturelle Unterschiede konnte ich nicht groß
feststellen, auch ist mit Englisch gut durch zu kommen, nur in manchen,
deutlich russisch-dominierten Gegenden gab es leichte Probleme. Speziell in
Lettland habe ich so einige Schotterpisten gesehen und auch befahren, bei Regen
ist das kein Vergnügen, speziell auf dem Motorrad! Der Verkehr an sich ist
aus meiner Sicht eher entspannt, außer am späten Abend oder Nachts - ich
habe auf vielen Landstrassen deutliche Gummispuren gesehen...
Lästig ist von DE aus die weite Anreise: Entweder man fährt (von Bonn aus)
gut 1500 km durch Polen oder man nimmt die Fähre von der Ostsee aus.
Also: Würde ich nochmal hin fahren? Eindeutig JA! Mit dem Motorrad? Vielleicht...

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TIPP:
Wieder einmal Thema Fähre: Man nehme sich was zu lesen und auch
    Musik mit, sonst wird es öde, besonders, wenn man wg. schlechten
    Wetters nicht an Deck sitzen kann.

Letztes Update: 26.06.2026