Tag 10 (Jelgava-Riga, ca. 280
km):

Das Wetter hat sich noch nicht
entschieden, wo die Reise heute hingehen soll,
ich dagegen schon:
Heute geht‘s nach Riga. Wenige Meter hinter der Unterkunft
hat es
eine Tanke, da gibt‘s Benzin für mich, einen Schoko-Croissant und
einen
Kakao für die BMW - oder war‘s umgekehrt? Auf dem Weg zum
ersten
Wegpunkt endet ohne Vorwarnung plötzlich die geteerte
Strasse und geht in
Schotter über, ich bin froh, nicht zu schnell
unterwegs gewesen zu sein. Haben
die Letten noch alle Latten am
Zaun? Bauska ist eine kleine Stadt, macht mit
einem hübschen
Marktplatz und einem Schloß aber was her. Kurz danach gibt‘s
einen
heftigen Regenschauer, ich flüchte unter das Dach einer
Bushaltestelle.
Die Regensachen lasse ich an, während ich das
Schloß Rundāles pils anfahre,
dann kürze ich die Route ab, da
rundherum kräftiger Regen droht. Ich kriege
trotzdem eine ganze
Menge ab. Der Verkehr an diesem Freitag Nachmittag in
Riga ist
heftig, zudem finde ich mein Hotel nicht! Ich fahre und laufe gut 30
Minuten herum, es klappt erst, als ich die Adresse per Hand ins
Navi eingebe.
Mein Zimmer ist klein, genügt aber. Auf in die
Altstadt, ich muß allerdings eine
Hauptstrasse via Tunnel
unterqueren und über 2 Brücken laufen, bevor ich am
Ziel ankomme.
Ich muß zusehen, ob ich via Bus oder E-Scooter fahren kann,
sonst
wird das zu anstrengend. Die Altstadt platzt an diesem Freitag- Abend
aus allen Nähten, überall Touristen, Straßenmusiker, Restaurants.
Meine
Wahl fällt auf einen Italiener, wo am Nebentisch ein älterer
Herr aus Manchester
sitzt, der mich auf meine Mütze anspricht. Ich
unterhalte mich nett mit ihm, wir
gehen noch zu einem Irish Pub,
der Kilkenny Bier hat! Leider ist das Faß leer...
Wir trinken
gemeinsam 2 Guinness und 2 Whiskey, bevor er sich zurückzieht.
Der
Weg zurück ist sehr weit, aber ich kann unterwegs wenigstens noch
ein
paar gute Fotos schießen.
Tag 11 (Riga Stadtbesichtigung, zu Fuß):
Erstmal Datensicherung und
Wäsche waschen, dann muß ich zusehen, wo ich
ein Mehrtages- Busticket
bekomme. Die junge Frau an der Rezeption weiß Rat:
um die Ecke gibt es einen
Automaten, dort bekomme ich für 8 Euro ein 3-Tages
Ticket - Fairer Preis. Mit dem
Bus über die Brücken geht‘s natürlich viel schneller
als zu Fuß. Bevor ich die
erste Besichtigungsstation anlaufe - Frühstück! Ein kleines
Literaturcafé hat ein
Frühstücksmenü. Dann geht‘s kreuz und quer durch die Stadt,
eine Ansammlung von
Jugendstilhäusern weiß zu beeindrucken, genauso wie Panzer,
die nebst offiziellen Truppen
mitten in der City stehen! Gehören wohl zu einer
Militärparade. Faszinierend
finde ich die Markthallen, die an diesem Samstag
reichlich bevölkert sind. Mit
Verlaub, aber dort geht es dermaßen Russisch zu,
wie man es sich nur denken
kann: Neben Lebensmitteln werden dort leicht aus
der Mode gekommene Kleidung
und Gebrauchsgegenstände angeboten, zudem
wird praktisch überall nur
Russisch gesprochen. Mich zieht‘s erstmal zurück zum
Hotel, mich frisch machen.
Wieder in der City ist logischerweise der Teufel los,
aber Restaurants finden sich
reichlich, wenn auch nicht mit Auswahl: Ich hätte
gerne eine Latvian Pizza
probiert, die ist aus. Das gilt ebenso für 3 andere Gerichte,
die ich anfrage, die Bedienung
meint nur, dass die Leute alles weggefressen haben.
Ein trauriger Burger ist noch
zu haben und sogar das Radler von der Karte ist weg,
man mischt mir aber was
zusammen. Der 2. Irish Pub ist restlos überlaufen, also
zurück zum "Bewährten". Ich
sehe mir im TV ein Boxmatch an, obwohl dergleichen
gar nicht mein Fall ist. Auf
dem Rückweg zur Bushaltestelle an der Brücke passiert‘s
schon wieder: ich sichte ein
amerikanisches Schnellrestaurant und will mir was
holen. Es ist für die Uhrzeit
unglaublich voll dort, nach einer Viertelstunde bekomme
ich erst mein Essen. Vor der
Tür treffe ich auf einen Schweden (Hallo, Jonas),
der ganz gut Deutsch (!)
spricht. Ich unterhalte mich mit ihm über dies und das,
bis mein Blick auf die Uhr
fällt: 20 nach 2! Sooo spät war ich noch nie, und es
geht vorerst auch kein
Nachtbus, wie ich nach einem Fußmarsch Richtung
Brücke feststellen muß... Also
zu Fuß über die Brücke, daher bin ich erst um
viertel nach 3 in meinem
Zimmer!