Baltikum - 13.05. - 08.06.2026

Tag 10 (Jelgava-Riga, ca. 280 km):

Das Wetter hat sich noch nicht entschieden, wo die Reise heute hingehen soll,
ich dagegen schon: Heute geht‘s nach Riga. Wenige Meter hinter der Unterkunft
hat es eine Tanke, da gibt‘s Benzin für mich, einen Schoko-Croissant und einen
Kakao für die BMW - oder war‘s umgekehrt? Auf dem Weg zum ersten
Wegpunkt endet ohne Vorwarnung plötzlich die geteerte Strasse und geht in
Schotter über, ich bin froh, nicht zu schnell unterwegs gewesen zu sein. Haben
die Letten noch alle Latten am Zaun? Bauska ist eine kleine Stadt, macht mit
einem hübschen Marktplatz und einem Schloß aber was her. Kurz danach gibt‘s
einen heftigen Regenschauer, ich flüchte unter das Dach einer Bushaltestelle.
Die Regensachen lasse ich an, während ich das Schloß Rundāles pils anfahre,
dann kürze ich die Route ab, da rundherum kräftiger Regen droht. Ich kriege
trotzdem eine ganze Menge ab. Der Verkehr an diesem Freitag Nachmittag in
Riga ist heftig, zudem finde ich mein Hotel nicht! Ich fahre und laufe gut 30
Minuten herum, es klappt erst, als ich die Adresse per Hand ins Navi eingebe.
Mein Zimmer ist klein, genügt aber. Auf in die Altstadt, ich muß allerdings eine
Hauptstrasse via Tunnel unterqueren und über 2 Brücken laufen, bevor ich am
Ziel ankomme. Ich muß zusehen, ob ich via Bus oder E-Scooter fahren kann,
sonst wird das zu anstrengend. Die Altstadt platzt an diesem Freitag- Abend
aus allen Nähten, überall Touristen, Straßenmusiker, Restaurants. Meine
Wahl fällt auf einen Italiener, wo am Nebentisch ein älterer Herr aus Manchester
sitzt, der mich auf meine Mütze anspricht. Ich unterhalte mich nett mit ihm, wir
gehen noch zu einem Irish Pub, der Kilkenny Bier hat! Leider ist das Faß leer...
Wir trinken gemeinsam 2 Guinness und 2 Whiskey, bevor er sich zurückzieht.
Der Weg zurück ist sehr weit, aber ich kann unterwegs wenigstens noch ein
paar gute Fotos schießen.

  

 
Der Marktplatz von Bauska. Die nächste Orthodoxe
Kirche wartet schon.
Schloß Bauska, im 15.
Jahrhundert erbaut...
...und gut erhalten. Sauwetter! Kurzer Blick auf Rundāles pils.
Riga... ...von einer der Brücken
aus gesehen.
Ersatzteile gefällig?
Der Dom - imposant
und Platz-beherrschend.
Im Irish Pub gibt es einen
"Guinness-Barista"!
Es sind schon viele
Getränke kredenzt worden...
Abendstimmung. Hier ist noch viel
Volk unterwegs.
Die Brücken und...
...die Uferpromenade... ...machen auch im Dunkeln eine gute Figur.

Tag 11 (Riga Stadtbesichtigung, zu Fuß):

Erstmal Datensicherung und Wäsche waschen, dann muß ich zusehen, wo ich

ein Mehrtages- Busticket bekomme. Die junge Frau an der Rezeption weiß Rat:

um die Ecke gibt es einen Automaten, dort bekomme ich für 8 Euro ein 3-Tages

Ticket - Fairer Preis. Mit dem Bus über die Brücken geht‘s natürlich viel schneller

als zu Fuß. Bevor ich die erste Besichtigungsstation anlaufe - Frühstück! Ein kleines

Literaturcafé hat ein Frühstücksmenü. Dann geht‘s kreuz und quer durch die Stadt,

eine Ansammlung von Jugendstilhäusern weiß zu beeindrucken, genauso wie Panzer,

die nebst offiziellen Truppen mitten in der City stehen! Gehören wohl zu einer

Militärparade. Faszinierend finde ich die Markthallen, die an diesem Samstag

reichlich bevölkert sind. Mit Verlaub, aber dort geht es dermaßen Russisch zu,

wie man es sich nur denken kann: Neben Lebensmitteln werden dort leicht aus

der Mode gekommene Kleidung und Gebrauchsgegenstände angeboten, zudem

wird praktisch überall nur Russisch gesprochen. Mich zieht‘s erstmal zurück zum

Hotel, mich frisch machen. Wieder in der City ist logischerweise der Teufel los,

aber Restaurants finden sich reichlich, wenn auch nicht mit Auswahl: Ich hätte

gerne eine Latvian Pizza probiert, die ist aus. Das gilt ebenso für 3 andere Gerichte,

die ich anfrage, die Bedienung meint nur, dass die Leute alles weggefressen haben.

Ein trauriger Burger ist noch zu haben und sogar das Radler von der Karte ist weg,

man mischt mir aber was zusammen. Der 2. Irish Pub ist restlos überlaufen, also

zurück zum "Bewährten". Ich sehe mir im TV ein Boxmatch an, obwohl dergleichen

gar nicht mein Fall ist. Auf dem Rückweg zur Bushaltestelle an der Brücke passiert‘s

schon wieder: ich sichte ein amerikanisches Schnellrestaurant und will mir was

holen. Es ist für die Uhrzeit unglaublich voll dort, nach einer Viertelstunde bekomme

ich erst mein Essen. Vor der Tür treffe ich auf einen Schweden (Hallo, Jonas),

der ganz gut Deutsch (!) spricht. Ich unterhalte mich mit ihm über dies und das,

bis mein Blick auf die Uhr fällt: 20 nach 2! Sooo spät war ich noch nie, und es

geht vorerst auch kein Nachtbus, wie ich nach einem Fußmarsch Richtung

Brücke feststellen muß... Also zu Fuß über die Brücke, daher bin ich erst um

viertel nach 3 in meinem Zimmer!

 

 

Die Orthodoxe
Christus Kirche.
Innen ein echter... ...Augenschmaus!
DIe Jugendstilhäuser in der
Alberta Iela sind berühmt
Phantasievoll... ...und ziemlich beeindruckend.
     
Der Ukraine wird immer
wieder Tribut gezollt.
Der Dom in Riga... ...hat ebenfalls einige pracht-
volle Ansichten zu bieten.
Das "Schwarzhäupterhaus". Panzer rollen durch Riga! Die Zentralemarkthallen...
...sollte man sich angesichts... ...des Angebotes und... ...des Flairs nicht
entgehen lassen.
Aber es gibt nicht nur ost-
europäische Waren!
Draussen setzt sich der
Trubel fort.
Monument der Freiheit
"Brīvības piemineklis".
Nur mittels Drohne oder
200er Telelinse erreichbar...
Und erneut werden seltsame
Getränke feilgeboten.
Ein Irish Pub! Leider ist
das Faß Kilkenny leer... :-(
Auf der Grēcinieku iela ist nachts
immer viel Betrieb.
Nachts am Donplatz.
Hübsch illuminierte kleine Fußgängerbrücke. Elegant gewundenes Hochhaus.

Tag 12 (Riga Stadtbesichtigung, zu Fuß):

Ich besuche zuerst das Schwarzhäupterhaus - Pflichtprogramm, wenn man in Riga
ist. Ein T-Shirt wandert in meinen Fundus, die Verkäuferin meint angesichts meiner
Grössenwahl "M" nur trocken "That belly"... Was stimmt denn nicht damit? Ich wähle
trotzdem M. Dann marschiere ich quer durch die City, um mir das KGB Museum
anzusehen. Es ist kostenlos, man bekommt aber nur einen kleinen Teil zu sehen, nur
im Rahmen einer Führung geht mehr, das passt aber nicht in meinen Zeitplan. Ein
verspäteter Frühstückskakao und ein Käsekuchen bringen den Kreislauf wieder in
Form. Dann folgt eine 40-minütige Busfahrt zum Automobilmuseum, es werden sogar
die Fahrkarten kontrolliert - gut, dass ich meine am Automaten im Bus eingecheckt
habe. Nach weiteren 15 min Fußmarsch bin ich am Museum, das lohnt sich, auch
wenn es nicht riesig ist: Man bekommt Autos und Motorräder von der Pionierzeit
bis zu den 1990er Jahren zu sehen, interessant vor Allem, weil es viele Sowjetfahr-
zeuge zu sehen gibt, die in anderen Museen eher rar sind. Witzig für mich als Touristen
ist auch, das in fast jedem russischen Auto ein Hashtag "StandwithUkraine" angebracht
ist - eine offensichtliche Provokation. Zur Abwechslung gönne ich mir zum Abschied
ein T-Shirt... In einer Stunde und 15 min schaffe ich‘s zurück ins Hotel, ich treffe erste
Vorbereitungen für die Abreise morgen. Wieder in die City, heute scheint nicht ganz
so viel los zu sein, ich genieße eine Art vegetarische Pasta zum Abendessen. Gerne
hätte ich noch die Aussicht vom Fernsehturm (seit längerem geschlossen) oder der
Sky Bar (viiiel zu teuer) mitgenommen, aber man kann eben nicht Alles haben. Ich
steuere daher die "Trinkmeile" an, um dem 2. entdeckten Irish Pub eine Chance zu
geben. Darin ist Karaoke- Abend und dazu ein paar bereits um 21:30 schrecklich
laute Amerikaner - nicht mein Fall. Es gibt ein paar Meter weiter noch einen Irish Pub,
aber da gibt‘s keine Sitzplätze mehr, alles voll. Also zurück zum bereits Bekannten...
Mein Lieblings-Pub schließt relativ früh, ich muß für ein letztes Bier wechseln.
Im Schwarzhäupterhaus. Prachtvolle Kunstwerke... ...zieren die Räume.
Handelswaren und
die notwendigen Werkzeuge.
Der große Saal - prunkvoll. Der Schriftzug vor dem
Haus ist natürlich ein
gerne genutztes Fotomotiv.
Das Freiheitsmunument aus
einem anderen Blickwinkel.
Im Automobilmuseum. Interessantes Detail.
Zwei eigentlich identische (!)
alte BMWs.
Ein GAZ Tchaika mit viel-
sagendem "Ukraine" Sticker...
Sehr skurrile Kleinst-
fahrzeuge.
Aber auch einige Motorräder
sind zu sehen.
Trabant mit passendem Anhänger. Auf 3 Etagen wird den
Besuchern einiges geboten.
Im Tiefgeschoß gibt es LKW
und Spezial-Motorräder.
Back to the City. Jetzt weiß ich endlich, was
diese Geste bedeutet! ;-)
Sehr anschaulich illustriert. Stilvoll beleuchtet.


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TIPP:
Sowohl Litauen als auch Lettland haben vom landschaftlichen und auch von
   der Motorrad-Dynamik her etwas enttäuscht: die Landschaften sind nett, aber
   ohne große Highlights, die Straßen meist viel zu gerade. Das hätte ich auch
   alles gut mit dem Auto fahren können.
-  Abgesehen von den übermütigen Jugendlichen am Abend habe ich den
    Verkehr - im Gegensatz zu den Aussagen in Reiseführern - meistens als
    diszipliniert und zuvorkommend erlebt.
-   Riga ist auch in der Vorsaison ziemlich beliebt und von Touristen bevölkert,
    aber zum Glück (noch) nicht überlaufen.
-   In den größeren Städten und auch den meisten Dörfern kommt man mit
    Englisch recht gut durch. Etwas schwierig wird's nur dann, wenn wie in manchen
    Gegenden der Anteil der russischsprachigen Einwohner hoch ist.

Letztes Update: 23.06.2026