Baltikum - 13.05. - 08.06.2026

Tag 7 (Vilnius- Šiauliai, ca. 390 km):

Es nieselt leicht, alles Grau in Grau, dennoch soll‘s heute trocken bleiben -
hoffentlich. Bleibt‘s zum Glück auch. Ein kleiner Abstecher zum Aukštaitija
Nationalpark lohnt die Ausblicke, für die Fotos läßt sich sogar kurz die Sonne
blicken, ansonsten ist zwar viel Landschaft zu sehen, aber es ist lausig kühl und
die Straßen ernüchternd gerade. Meine Unterkunft in Šiauliai finde ich auf Anhieb,
sie ist nicht ganz so gut wie die in Vilnius, aber nur knapp verfehlt. Die Stadt ist
touristisch etwas unterentwickelt, leichter "Osteuropa"- Charme mischt sich mit
einer langen Fußgängerzone, einem großen Hauptplatz und einer Kirche. Gut,
nachdem ich die Highlights abgelaufen und fotografiert habe, suche ich mir ein
Restaurant, das litauische Spezialitäten auf der Karte hat. Das Fleischgericht,
dass ich mir aussuche, hätte auch einen mittelgrossen litauischen Holzfäller satt
gemacht... Ein einziger Pub in der Stadt hat heute länger als 22:00 auf - und es
ist diesmal ein richtiger Irish Pub! Um 11:00 will ein letztes kleines Bier haben
- darauf die Bedienung: "We don‘t have small beers!" F*ck! Die Hälfte lasse ich
demzufolge zur Theke zurückwandern.

 
Sehr speziell: Der "Hill of crosses"

 
Tausende Kreuze finden
sich dort!
Nix los in Šiauliai... Der zentrale Platz - auch
hier ziemlich tote Hose.
Die Sonnenuhr hat
heute nichts zu lachen.
Ein echter Irish Pub... ...mit stilvoller Einrichtung.
Auf der Herrentoilette wird streng bewertet... ;-) Nachts - immer noch
nichts zu sehen.

Tag 8 (Šiauliai-Kuldiga, ca. 300 km):

Trübe sieht‘s aus, aber die Sonne soll sich im Laufe des Tages blicken lassen.
Gegenüber werden die Kinder von ihren Helikoptereltern mit dem SUV zur Schule
gefahren - also alles wie bei uns... Der nächste Supermarkt ist 800 m entfernt, da
kann ich ein paar Kalorien abbauen vor dem Frühstück. Es ist richtig kühl, der dünne
Pullover hilft ein wenig. Ab der Grenze zu Lettland wird‘s erstmal zäh: viele, viele
Baustellen und die Straßen sind einfach furchtbar - soll das so bleiben? Zum Glück
nicht... Die Landschaft hat sich etwas geändert seit dem Grenzübertritt, mehr
Abwechslung, mehr Farben, auch die Architektur wandelt sich zusehends: die
Holzhäuser haben nicht mehr den für Litauen typischen Erker vor dem Haus. Um
mir ein altes Landhaus kurz vor Kuldiga ansehen zu können, biege ich von der
Hauptstraße auf eine Lehm- und Schotterpiste ab, keine gute Idee! Ein paar Mal
liege ich fast auf der Nase, irgendwann muss ich undrehen, es wird zu rutschig.
Die BMW sieht aus wie durch den Schlamm gezogen! Am Zielort finde ich eine
Tanke, wo ich neben Benzin auch noch eine Hochdruckdusche für die BMW finde
- das Mopped freut sich! Kuldiga überrascht mich, es gibt eine hübsche, halb
verwitterte Altstadt, einen kleinen "Wasserfall" und sogar eine Brauerei! Die
besuche ich, sie hat auch noch auf, aber die Küche hat schon geschlossen. Ein
kleines Bier und ein T-Shirt sollen‘s sein - das Bier passt rein, ich in‘s T-Shirt
aber nicht: trotz Größe L ist es mir deutlich zu groß, M ist nicht am Lager... Aber
die Bedienung gibt mir einen Tipp für ein Restaurant, das landestypische Speisen
anbietet - der Tipp ist Gold wert! Von zu Hause höre ich, das heute in Vilnius
Drohnenalarm war und alles in die Schutzbunker geflüchtet ist - Schlimm! Nach
dem Essen zieht‘s mich in ein Spielkasino, das ist der einzige Ort, wo man zu
später Stunde noch was zu trinken bekommt, und Billard gibt‘s auch! Eine Stunde
für 5 Euro, das ist fair, das gönne ich mir.

 

 

Idyllische Szenerie. Wie in Polen sind auch hier
oft Storchennester zu sehen.
Das wäre durchaus
ein Ölgemälde wert.
Auf Schotterpiste unterwegs. Ein renoviertes Zimmer mit
rustikalem Charme.
Hier muß man allerdings
rück- und seitwärts
"einparken" und den
Kopf einziehen! :-)
     
Wieder eine prächtige kleine
orthodoxe Kirche.
Hmh - was macht der gelbe
kleine Typ hier?
Eine schöne, leicht
angestaubte Altstadt ist das.
Der Marktplatz. Am Fluß "Venta".
Es gibt sogar so was wie einen kleinen Wasserfall.
DAS macht mal wieder Spaß! Bei Nacht besonders attraktiv.

Tag 9 (Kuldiga-Jelgava, ca. 380 km):

Ziemlich früh bin ich auf und mache mich parat, nach wenigen Metern sichte
ich einen offenen Supermarkt und hole mir ein Frühstück auf die Faust. Die
Strecke entlang der Nordwestküste ist ermüdend - fast nur schnurgeradeaus.
Eine verlassene Hochhaussiedlung fasziniert mich, während über mir eine
Hobby- Drohne kreist. Weiter geht‘s nach Dundaga, wo ein Stein-Krokodil
lauert - angeblich das Vorbild für "Crocodile Dundee"... Endlich kommt mal
wieder eine Tankstelle in Sicht, die meine BMW leersäuft. Das schöne alte
Landschloß Jaunmokas ist mein letztes Ziel vor Jelgava. Ich bin total im Eimer,
stelle mir den Wecker auf eine Stunde und mache mich lang. Bis in‘s Stadt-
zentrum ist‘s weit, es gibt nicht allzuviel zu sehen, die Stadt ist nicht klein,
Sehenswürdigkeiten aber rar - abgesehen von der orthodoxen Kirche, die
sowohl von Außen als auch von Innen ein echtes Kleinod darstellt. Ich laufe
auch noch das kleine historische Stadtzentrum an, das zu dieser Stunde
absolut vereinsamt daliegt. Ich habe Hunger und Durst, die Auswahl ist an
einem Donnerstag nicht sehr groß, ich lande schließlich in einer (meiner Meinung
nach) "Russenbar", wo viel Death Metal Musik gespielt wird, aber hier gibt‘s
was zu futtern und zu trinken, sogar ein lokaler Whiskey ist drin. Ich ordere
eine Art kleine Reibekuchen mit Fleischstreifen, angesichts der Musik sind‘s
womöglich die Innereien von kürzlich Verstorbenen...  :-) Ich unterhalte mich
nett mit einem Letten, dann wird‘s Zeit: Eine 3/4 Stunde zurück ist fällig, die
von zahlreichen Fotos unterbrochen wird. Als ich sehe, dass ein "Fahr-durch-
Restaurant" eines amerikanischen Schnell-Essen-Anbieters noch offen hat,
gelüstet es mich trotz des Abendessens noch nach einem Käse- und Alibi-Gurken
Brötchen und frittierten französischen Kartoffelstäbchen, das genehmige ich
mir leider auch noch. Ich komme ohne Code nicht in mein Hotel, aber es gibt
eine Hotline. Ein älterer Herr öffnet mir die Tür, ich hole mir mein letztes
litauisches Dosenbier aus der Tasche und blockiere die Tür mit meiner Tasche
- geht doch!
 
Die Riežupes Smilšu
Alas Sandhöhlen - noch zu.
Būšnieku ezers - ruhiger See. Verlassene Siedlung.
Etwas gruselig... ...auch von Innen. Endlose gerade Straße...
In Dundaga. Jaunmokas Palast - auffällig. In Jelgava ist offenbar Kirmes.
Das Kunstmuseum. Sv. Simeona un Sv. Annas
pareizticīgo Kathedrale.
Wunderschön ausgeschmückt.
Und noch eine prachtvolle Kirche. Altstadt - leider unbelebt.
Partyschiff? Keine Ahnung... Schön gestylte Fußgängerbrücke "Mitava".


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TIPP:
Auch wenn der äußere Zustand einiger Häuser zu wünschen übrig lässt,
   so achtet man doch auf Sauberkeit: Ich habe praktisch keine wilden Müllhalden
   gesehen, überall stehen Abfalleimer, die Bürgersteige sind sauber und selbst
   Zigarettenstummel sieht man eher selten - das gilt für alle 3 Länder.
-  Kuldiga ist klein, aber fein - sollte man sich ansehen. Ein halber Tag reicht
   dabei völlig aus.
-  Der "Hill of Crosses" ist definitv eine außergewöhnliche Sehenswürdigkeit.

Letztes Update: 23.06.2026